Schafe mit Ordnungssinn

Schweizer Schafe – Mein erstes Bild im redaktionellen Teil einer Schweizer Zeitung – und das erst noch auf einer halben Seite – hat bereits am Erscheinungstag zu zahlreichen Reaktionen geführt. Schön, dass nicht nur Unglück, Verbrechen und was sonst auf dieser Welt schief läuft, bei den Leserinnen und Lesern auf Interesse stösst.

Nachfolgend der ganze Artikel in der Rubrik „Mein Bild“. Luzerner Zeitung (und Kopfblätter), 23.08.2018
(Veröffentlichung mit der Genehmigung der zuständigen Redaktorin)

Das sind Schafe mit Ordnungssinn

«Alles schön ordentlich, Schweizer Schafe eben», schreibt der Fotograf zu diesem Bild. Christian Scheidegger aus Ebikon hat vergangenen Samstag auf seiner Bike-Abfahrt von der Seebodenalp nach Küssnacht diese Szenerie festgehalten.

Der Schweizer Ordnungssinn ist über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Weilt man im Ausland und wird nach der Heimat gefragt, heisst es häufig: «Oh, Switzerland is very proper and clean.» Ordentlich und sauber. Und dann natürlich
noch «good chocolate and cheese» sowie «nice mountains and snow». Fragt der Schweizer oder die Schweizerin zurück, ob man schon da war, wird oft verneint. Um Schoggi zu kosten, muss man eben auch nicht zwingend in die Schweiz reisen. Aus Erfahrung weiss ich, dass man die sogar in Shops südlich der Sahara erhält.

Ordnung wird offensichtlich genauso mit der Schweiz in Verbindung gebracht wie Schokolade oder Berge. Das ist gerechtfertigt, finde ich. Denn sobald man von einer Reise im fernen oder gar nahen «Wo-auch-Immer» in die Schweiz zurückkehrt, macht sich dieser Schweizer Sinn schon bald bemerkbar. Für mich etwa bei den Ausschilderungen von Ortschaften.

Auch kleinste Dörfer mit nur wenigen Einwohnern sind hierzulande proper markiert. Im Gegensatz zum Ausland. Dort muss man zuweilen schon dankbar sein, wenn der Weg zum internationalen Flughafen gekennzeichnet ist.

Zurück zur Seebodenalp, wo im Gehege auf dem Rischberg oberhalb von Küssnacht ebenfalls Ordnung herrscht.Weshalb sich die Schafherde in Reih und Glied aufgestellt hat, bleibt unklar. Ob sie sich allenfalls von einer irischen Line-Dance-Truppe hat inspieren lassen? Wohl eher nicht.

Die Wiese ist eigentlich gross genug, um sich grosszügig darauf verteilen zu können. Auch scheint das Gras überall gleich saftig zu sein.  Futterneid kann als Motiv also ausgeschlossen werden.  Und so lassen wir es bei der abschliessenden Feststellung bewenden, dass die über 30 Schafe offensichtlich gerne in strukturierten Verhältnissen fressen. Ordnung muss hierzulande einfach sein.

Yasmin Kunz

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